Gleichstellung

Gemeinsam mit vielen anderen Frauen bin ich daran, den Frauenstreik vom 14. Juni 2019 vorzubereiten. Ich habe keine Zweifel: der Streik wird riesig. Überall spriessen Kommitees und Kollektive aus dem Boden, es sprechen mich Frauen auf diesen Streik an, die bisher vermutlich weder das Wort «Streik» noch das Wort «Feminismus» oft in den Mund genommen. Aus dem einfachen Grund: weil es ihnen reicht. Genauso wie es mir reicht. Und ich bin erst 37.

Frauen arbeiten heute. Die unbezahlte Arbeit eingerechnet, gleichviel oder mehr als Männer. Sie verdienen trotzdem weniger und kontrollieren kaum Vermögen. Natürlich: Frauen sind heute ökonomisch unabhängiger als vor 30 Jahren. Aber das grosse Problem der Frauen lautet heute: Doppel- und Dreifachbelastung. Noch immer weniger Geld. Und vor allem: noch viel weniger Zeit. Rund 80 Prozent der Männer arbeiten Vollzeit, im Vergleich dazu 59 Prozent der Frauen Teilzeit, zu niedrigen Löhnen und mit fatalen Folgen für die Höhe der späteren Altersrente. Frauenrenten sind heute rund 40 Prozent tiefer als Männerrenten. Frauen sind vielmehr Opfer von häuslicher Gewalt, jede dritte Woche stirbt eine Frau an den Gewaltfolgen. Die Frauenhäuser sind überfüllt, weisen Opfer ab. Hat die Frau keinen Schweizer Pass, kann sie sich je nach Situation nicht einmal trennen, weil sie sonst das Land verlassen muss.

Die Lösungen und Vorschläge liegen längst auf dem Tisch, sie umzusetzen ist eine Frage des politischen Willens. Die Männermehrheit in Bern will einfach nicht, es betrifft sie schliesslich nicht. Ich will nach Bern, weil ich es als Auftrag verstehe, den steigenden Druck der Frauenbewegung in den Ratssaal zu tragen und endlich Nägel mit Köpfen zu machen. Frauen brauchen gleiche Chancen auf dem Erwerbsmarkt, eine griffige Umsetzung der Lohngleichheit mit Kontrollen und Sanktionen ist überfällig. Ausgebaute, qualitativ gute und stark subventionierte Kinderbetreuung und einen anständigen Elternurlaub sind Massnahmen, die sich dieses Land längst leisten könnte und sollte. Und die Politik in Bern soll endlich unmissverständlich klar machen: wir tolerieren keine Gewalt an Frauen. Massnahmen zur Verhinderung und für Schutz und Unterstützung haben bei uns oberste Priorität.