Qualitativ guter und ausgebauter Service Public

Als Gewerkschafterin arbeite ich unter anderen mit Hauswarten. Ich mag sie sehr. Wissen Sie, was Hauswarte wollen? Sie wollen einen guten Job machen. Und das tun sie auch: Mit grossem Engagement, manchmal auch spätabends, und mit breitesten Fähigkeiten von Mechanik bis hin zu regelrecht sozialarbeiterischen Qualitäten. Darauf sind sie zu Recht stolz. Und wissen Sie, was diese Hauswarte fertig macht? Dass sie zunehmend das Gefühl haben, ihre Arbeit nicht mehr machen zu können. Wieso? Weil sie gefühlt die Hälfte ihres Tages damit verbringen, Formulare auszufüllen, Controllingvorgaben zu erfüllen, Rechenschaft abzulegen über noch die kleinste Schraube, die sie irgendwo ersetzen mussten. Sie nennen das die BWL-isierung ihrer Arbeit.

Die Hauswarte sind bei Weitem nicht die einzigen, die unter dieser BWL-isierung leiden: Besonders krass ist es im Gesundheitsbereich: Dort arbeiten Menschen, meistens Frauen, häufig schlecht bezahlt, die sich um die Verletzlichsten unserer Gesellschaft kümmern: Alte, Kranke, Neugeborene … Auch sie tun das aus der Motivation heraus, gute Arbeit zu leisten, ihren PatientInnen gerecht zu werden. Und was ist zunehmend die Realität? Management-Vorgaben standardisieren auf die Sekunde genau jeden Pflegeschritt, wehe man scannt den Strichcode nach der Intimwäsche nicht rechtzeitig. Die Folge: 50% der Pflegekräfte steigen aus und suchen einen anderen Beruf. Das Ziel dieser Bürokratisierung: Effizienzsteigerung, Gewinnmaximierung.

„Meine“ Hauswarte arbeiten etwa an Schulen oder Hochschulen. Die meisten Pflegefachfrauen noch immer in öffentlichen Spitälern. Wir reden hier über den Service public, also über die staatliche Grundversorgung für die Bevölkerung. Ich will, dass der Service Public das bietet, was er bieten soll, dass die Menschen die dort (und anderswo) arbeiten, ihre Arbeit zum Wohle anderer machen können. Dass sie stolz darauf sind, selber bestimmen zu können. Weil das der Leistung und der Qualität hilft, im Gegensatz zu Abbau und Sparmassnahmen. Ich will einen Service Public, der die Menschen ins Zentrum stellt: Die Menschen, für die der Service Public da ist, und die Menschen, die im Service Public arbeiten.